
Leica M9 „Titan“ designed by Walter de’Silva Leica Camera AG stellt in Kooperation mit dem Chefdesigner des Volkswagen Konzerns eine einmalige Sonderedition vor

Die viermillionste Leica überreichten der Vorstandsvorsitzende Schöpf, Leica-Eigner Kaufmann und Entwickler Daniel an Steven Sasson, Entwickler der ersten Digitalkamera. Die noch verbleibenden 499 Exemplare der M9 sollen mit Summilux M 1,4/35 für im November 2010 für 22.000 Euro pro Set in den Handel kommen - in edler Schatulle, mit exquisitem Trageriemen und mit 108-seitigem Buch über die M9 „Titan“.
Die Leica Camera AG, Solms, stellt zur photokina in Köln (21. bis 26. September 2010) eine neue Kameraedition vor: Die Leica M9 „Titan“. Die exklusive Sonderserie ist in Zusammenarbeit mit dem Automobildesigner Walter de’Silva entstanden. Verantwortlich für richtungsweisende Designkonzepte der aktuellen Modelle des Volkswagen Konzerns, hat der Chefdesigner mit seinem Audi Design-Team die Leica M9 nach seinen Vorstellungen gestaltet. Entstanden ist eine einzigartige Kamera, die die charakteristischen Merkmale des Leica Messsuchersystems neu interpretiert und diese unter Verwendung von massivem Titan in eine außergewöhnliche Formensprache bringt. So ist die Leica M9 „Titan“ für Leica Liebhaber wie Designenthusiasten ein ganz besonderes Objekt der Begierde. Die Sonderedition ist auf eine Stückzahl von nur 500 Kameras weltweit limitiert und wird im Set zusammen mit dem Objektiv Leica SUMMILUX-M 1:1,4/35 mm ASPH. geliefert, dessen Metall-Außenteile ebenfalls aus massivem Titan gefertigt sind. Walter de’Silva hat der Leica M-Kamera ein ergonomisches, präzises, logisches und stringentes Erscheinungsbild verliehen, ohne den Charakter der Messsucherkamera zu verändern. So bleibt die Leica M9 „Titan“ mit ihrer kompakten Bauart und der technischen Ausstattung unverkennbar eine echte Leica M-Kamera. Walter de’Silva hat sich nicht nur dem Kameradesign angenommen, sondern auch in der Bedienung der Kamera neue, konzentrierende Akzente gesetzt. Dazu zählen die neuartigen, LED beleuchteten Rahmen des Messsuchers. Diese machen das serienmäßige Beleuchtungsfenster überflüssig und lassen damit die Kamerafront noch ausgewogener erscheinen. Völlig neuartig in der Kameratechnik ist das Tragekonzept. Anstelle der traditionellen Trageösen der Serienkameras hat der Chefdesigner in Zusammenarbeit mit den Leica Ingenieuren ein neuartiges Kameratragesystem entwickelt, das auf einen einzigen Befestigungspunkt an der Kamera reduziert wurde. Die metallische, mit feinem Nappaleder bezogene Fingerschlaufe sorgt für einen sicheren, ergonomischen Halt beim Fotografieren und Tragen der Kamera mit nur einer Hand. Neuartig ist ebenfalls das spezielle, stylische Schulterholster, in dem sich Kamera und Objektiv bequem und stets fotografierbereit transportieren lassen.
Das Objektiv der Sonderedition Leica SUMMILUX-M 1:1,4/35 mm ASPH. hat ebenfalls ein neues, auf die wesentlichen Elemente konzentriertes Design im Stil der Kamera erhalten. Für ein ungestörtes Sucherbild ist die aufschraubbare, runde Gegenlichtblende des Objektivs am gesamten Umfang vierfach durchbrochen. Für die Leica M9 „Titan“ kommen ausschließlich hochwertige Materialien zum Einsatz. So bestehen alle Metall-Außenteile der Kamera aus massivem Titan, einem besonders leichten, jedoch äußerst widerstandsfähigen, nur auf speziellen Maschinen zu bearbeitenden Material. Zusätzlich sind die Oberflächen mit einer harten Schicht vergütet, die von einem Schweizer Spezialunternehmen aufgebracht wird. Für den Kameramonitor wird ein kratzfestes Saphirkristallglas als Deckscheibe verwendet, welches den exklusiven wie robusten Charakter der Kamera ebenfalls unterstützt. Passend zur Titanoberfläche wird für die Belederung ein griffiges Leder verwendet, das ansonsten für die Innenräume von Audi Premium Fahrzeugen zum Einsatz kommt. Die Griffigkeit wird durch eine spezielle Rautenprägung noch unterstützt. Auch das Leica Logo ist neu gestaltet. Der Schriftzug wird in aufwändiger Handarbeit in reines Harz graviert, mit weißer Farbe ausgelegt anschließend lackiert und poliert.
Der Lieferumfang der Leica M9 „Titan“ umfasst neben Kamera und Objektiv ein markantes Schulterholster, einen Trageriemen sowie zwei Fingerschlaufen in unterschiedlicher Größe, die ebenfalls aus dem für die Kamera verwendeten Audi Premium Leder bestehen. Ein Story Book, das sich dem Designprozess der hochwertigen Titan Sonderserie widmet und ein Interview mit dem Designer Walter de’Silva beinhaltet, wird ebenfalls mitgeliefert. Verpackt ist dieses einmalige Set in einer in aufwändiger Handarbeit gefertigten Schatulle, deren Einlage für die Kamera und das Objektiv mit Alcantara in „Leica rot“ bezogen ist. Die Leica M9 „Titan“ ist ab November 2010 im Leica Fachhandel erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung in Deutschland beträgt 22.000 Euro. Leica Camera AG überreicht die viermillionste Leica Kamera an den Erfinder der Digitalkamera Steven Sasson.
Am 20. September 2010 hat die Leica Camera AG, Solms, Steven Sasson, dem Erfinder der Digitalfotografie, die viermillionste Leica Kamera überreicht. Hierbei handelte es sich um eine Kamera aus der Sonderserie Leica M9 „Titan“, einer auf 500 Exemplare limitierten Edition aus der Feder des Volkswagen-Design-Chefs Walter de’Silva und seinem Audi-Design-Team. Sasson erhielt die Jubiläumskamera im Rahmen der Leica Design Preview, einer Veranstaltung am Vorabend der photokina in Köln, bei der die Sonderserie Leica M9 „Titan“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Mit der Kameraübergabe zeichnet das Unternehmen den US-amerikanischen Ingenieur Steven Sasson aus, der mit der Entwicklung der Digitalfotografie den Grundstein für eine Revolution in der Fotografie legte. Zwei Jahre lang widmete er sich in der Forschungsabteilung von Kodak der Aufgabe, digitale Aufnahmen zu erzielen, die man auf dem Bildschirm anschauen konnte. 1975 machte der Erfinder das erste schwarz-weiße Digitalfoto der Technikgeschichte mit einem Gerät, das dreieinhalb Kilo wog und das Format eines Toasters hatte. Zu Kodak hat Leica damals wie heute eine partnerschaftliche Verbindung. Bereits vor 75 Jahren verlieh Ernst Leitz II, Inhaber der Leitz Werke Wetzlar, die Kameras mit den Seriennummern 150.000 und 175.000 an die Erfinder des Kodachrome-Films, Leopold Godowsky und Leopold Mannes. Auch damit wurde ein bahnbrechender Verdienst um die Farbfotografie geehrt, denn Kodachrome-Filme gaben erstmals Farben authentisch wieder. Heute kommen in der Leica M9, der kleinsten Systemkamera der Welt mit Vollformatsensor, Sensoren von Kodak zum Einsatz und sorgen in Kombination mit herausragenden Optiken für beste Bildergebnisse. Die Verleihung von Leica Kameras mit exklusiven Seriennummern hat bei Leica eine lange Tradition. Seit 1925 werden Fotografen, Wissenschaftler, Politiker und weitere herausragende Persönlichkeiten aus Kunst und Gesellschaft für ihre Leistungen mit besonderen Einzelstücken der Leica Manufaktur geehrt.
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| Kameratyp |
kompakte digitale Messsucher Systemkamera. |
| Objektivanschluss |
Leica M-Bajonett mit zusätzlichem Sensor für 6 Bit codierung. |
| Objektiv System |
Leica M-Objektive von 16 bis 135 mm. |
| Aufnahmeformat/Bildsensor |
5270x3516 Pixel(18,5 Megapixel) cc Dchip, aktive Fläche ca.23,9x 35,8 mm, 5212 x 3472 Pixel (18 Megapixel) (entspricht dem nutzbaren Format analoger Leica M - Modelle). |
| Empfindlichkeitsbereich |
ISo 80/19° bis ISo 2500/35°, in 1/3 ISo Stufen einstellbar; mit Zeitautomatik a und manueller Belichtungseinstellung wahlweise automatische Steuerung oder manuelle Einstellung, mit Schnappschuss Profil automatische Steuerung. |
| Belichtungsmessung |
Belichtungsmessung durch das objektiv (ttl), mittenbetont bei Arbeitsblende. Mittenbetonte ttl Messung für Blitzbelichtung mit systemkonformen Sca 3000/3002 Standard Blitzgeräten. |
| Messbereich |
(b. ISo 160/23°) Entspricht bei Raumtemperatur und normaler Luftfeuchte Ev 0 bis 20 bzw. Bl. 1,0 und 1,2 s bis Bl. 32 und 1/1000 s. Blinken der linken dreieckigen LED im Sucher signalisiert unterschreitung des Messbereichs. |
| Belichtungsbetriebsart |
Wahlweise automatische Steuerung der Verschlusszeit bei manueller Blendenvorwahl – Zeitautomatik a – mit entsprechender digitaler Anzeige oder manuelle Einstellung von Verschlusszeit und Blende und Abgleich mittels LED Lichtwaage mit Anzeige der korrekten Belichtung bzw. Überbelichtungs/ verwacklungstendenzen (nur mit Schnappschuss Profil). |
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| Blitzgeräte Anschluss |
Über Zubehörschuh mit Mitten- und Steuerkontakten. |
| Blitzsynchronzeit |
= 1/180 s; längere verschlusszeiten verwendbar. |
| Blitz Belichtungsmessung |
(m. Sca 3501/3502 Adapter bzw. Sca 3000 Standard Blitzgerät, z.B. Leica SF 24D/Leica SF 58) Steuerung mit mittenbetonter ttl Vorblitzmessung. |
| Blitz Belichtungskorrektur |
±3 1/3 Ev in 1/3EvStufen am Sca 3501/3502 Adapter einstellbar. Am Leica SF 24D sind bei Computersteuerung ±3 Ev in 1/3 Ev Stufen bzw. von 0 bis –3 Ev in 1 Ev Stufen, am Leica SF 58 in allen Betriebsarten ±3 Evin 1/3 Ev Stufen einstellbar. |
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| Sucherprinzip |
Großer, heller Leuchtrahmen- Messsucher mit automatischem Parallaxenausgleich. |
| Bildfeldbegrenzung |
Durch Einspiegelung von jeweils zwei mittels LEDs beleuchteten Rahmen: Für 35 und 135 mm, oder für 28 und 90 mm, oder für 50 und 75 mm. Automatische Einspiegelung bei Einriegeln des Objektivs. |
| Parallaxenausgleich |
Die horizontale und vertikale Differenz zwischen Sucher und Objektiv wird entsprechend der jeweiligen Entfernungseinstellung automatisch ausgeglichen, d.h., der Leuchtrahmen des Suchers deckt sich automatisch mit dem vom Objektiv erfassten Motivausschnitt. |
Übereinstimmung von Sucher- und tatsächlichem Bild |
Die leuchtrahmengröße entspricht bei einer Einstellentfernung 1 m exakt der Sensorgröße von ca. 23,9 x 35,8 mm. Bei unendlich Einstellung wird, je nach Brennweite, ca. 7,3 % (28 mm) bis 18 % (135 mm) mehr vom Sensor erfasst, als der jeweilige Leuchtrahmen zeigt, umgekehrt bei kürzeren Einstellentfernungen als 1 m etwas weniger. |
| Vergrößerung |
(Bei allen Objektiven) 0,68fach. |
| Großbasis -Entfernungsmesser |
Schnitt und Mischbild Entfernungsmesser in der mitte des Sucherbildes als helles Feld abgesetzt. |
| Effektive messbasis |
47,1 mm (mechanische Messbasis 69,25 mm x Suchervergrößerung 0,68fach). |
Am Anfang war das Wort: Design. Ein viel zu gern und leider viel zu häufig missbrauchter Begriff. Denn mit all den gefälligen Dingen, die alltäglich als Designobjekte oder gar als kunst zum Kauf angeboten werden, will Design nichts zu tun haben. Design ist eine Disziplin des Denkens und des handelns, die, lange bevor Markt und Marketing erfunden wurden, den Menschen half, neue Wege zu gehen, Neues zu gestalten. Design ist Motor des gesellschaftlichen Fortschritts. Design endet nie, es ist weniger ein Ergebnis als ein Prozess, den man weder genau planen, noch auf ein bestimmtes Ziel hin steuern kann. Design ist undisziplinierte Disziplin. Es balanciert in spannender Beziehung zu allen anderen Wissenschaften: Es bekämpft sie, spielt aber gern mit ihnen mit. Es gehört dazu und ist gleichzeitig unabhängig.
Ohne unabhängigkeit wäre Design nicht in der Lage, seine Funktion auszuüben. Die Geschichte der Leica liefert ein wunderbares Beispiel. Die 1914 von Oskar Barnack konstruierte Kleinbildkamera für die Firma Leitz aus Wetzlar sollte lediglich als Belichtungsmesser für Filmaufnahmen dienen. Erst mit der Anwendung wurde dem Erfinder das Potenzial offenbar, das in dem ungewöhnlich handlichen Gerät steckte, und er entwickelte es konsequent weiter, bis daraus, nach zehn Jahren und einem Weltkrieg, die Leica I wurde. Dieses Modell markiert zugleich den Abschluss eines Forschungsstadiums, das von der Urleica über die diversen Varianten der 0Serie reicht, und den Beginn einer bis zum heutigen Tag andauernden Entwicklung. Auch alle seit 1954 entstandenen Leica mModelle sind als Elemente eines Designprozesses zu betrachten, der bei Leica nie endet. Einen ganz besonderen Stellenwert hat die Leica m9 titan. Wenn man die Kamera in den Händen trägt, ist es wichtig, dass man nicht nur ihre Gestaltung, ihre Qualität und ihren Wert fühlt, sondern auch, dass man die Gedanken, die Ideen, schließlich den kreativen Prozess nachvollzieht, die zu diesem Ergebnis geführt haben. Hier eine Manufaktur, wo feinstes Wissen in erlesene Produkte umgewandelt wird, die für ein Publikum bestimmt sind, die deren spezielle Attribute zu schätzen weiß. |
größer als irgendeine Kompaktkamera, handlicher als eine Spiegelreflexkamera. Das graue Block verlangt und verdient Aufmerksamkeit. Bald macht es zwischen den Beiden klick. Es ist der Beginn einer Liebesgeschichte.
Mittlerweile arbeitet Walter de’Silva an Variationen über das Thema Leica m9. Zu diesem Zeitpunkt ist die neue Kamera noch nicht auf dem Markt, die Designer können somit frei mit der Identität des künftigen Serienmodells, das auf der bekannten Leica m8 basiert, spielen. Daraus resultieren, in der plakativen Sprache de’Silvas, „drei milliarden Skizzen“ und fast so viele Modelle. Experimentiert wird mit neuen Grundformen und dem Vorhaben, die Ergonomie der Kamera zu erforschen. Am Grundriss werden die Variationen deutlich erkennbar: neben dem traditionellen, symmetrischen Profil werden drei neue Themen getestet. Zwei davon sehen die Einführung eines asymmetrisch vergrößerten Griffs auf der Auslöserseite vor, im Dritten wird dagegen versucht, das zylindrische Profil beidseitig zu vergrößern.
In diesem Stadium besonders interessant sind einerseits die Versuche, mit vollmetallischen, feinstrukturierten Oberflächen die Materialität der Kamera zu zelebrieren, andererseits beeindruckt die Absicht, durch eine grafische Akzentuierung des Kontrasts zwischen hellen und dunklen Oberflächen die traditionelle Trennung zwischen Front und Rücken zu überwinden. Zu diesem Zeitpunkt wirkt aber das Ergebnis, das jeden anderen Kamerahersteller glücklich machen würde, noch allzu beliebig.
Egal, wie fein und präzise die arbeit der Designer ist – die Leica lässt nicht mit sich spielen. Zu stark ist ihre Identität, zu eigenartig ihre Gestaltung – die ein halbes Jahrhundert lang rein funktionalen Prinzipien folgte und dem technischen Entwicklungsstand stets untergeordnet wurde. Innerhalb derart fester Prinzipien sich vertretbare Freiräume zu schaffen, stellt selbst Walter de’Silva vor eine Herausforderung. Das kleine Objekt zeigt seine wahre Größe.
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Dort der Designchef eines der größten Konzerne der Welt – ein Mann, der mit seinem Handeln den Absatz von millionen Fahrzeugen mitverantwortet. Als im Frühling 2009 Walter de’Silva von Leica gefragt wird, das Design des neuesten Digitalmodells nach eigenem Gusto zu interpretieren, treffen Bedacht und Impuls aufeinander. Eine explosive Mischung. Weil aber Beide ein Verständnis für mechanisches, ein Gefühl für ästhetisches und nicht zuletzt ein tiefer Respekt füreinander verbindet, kracht es nicht. Stattdessen gewinnt das Projekt eine Eigendynamik, die zu einem ebenso selbstverständlichen wie unerwarteten Ergebnis führen sollte. So wie damals Oskar Barnack mit der Erfindung der Urleica quasi zwei Fliegen auf einen Streich schlägt, so hat Leica auch mit dem Engagement von Walter de’Silva ein doppeltes Ziel vor Augen. Nicht nur will man wissen, wie ein erfahrener Automobildesigner sich das Design einer Kamera vorstellt, sondern er soll auch ein Produkt entwerfen, das gefertigt werden kann, wenn auch nur in limitierter Auflage.
Die Idee ist ein „concept car auf Basis der Leica m9“. Entsprechend formuliert das Briefing, in die Zukunft der Leica m Serie zu schauen und dabei alle verfügbaren Fertigungstechnologien anzuwenden. Was mit der Begegnung zweier Welten an einem Frühlingstag des Jahres 2009 beginnt, ist nicht nur unter der Perspektive der Designpraxis ein höchst spannendes Experiment. Dem ersten Date folgt ein kontrolliert kreatives Chaos. Dass Walter de’Silva kein Fotograf ist, spricht sowohl für als auch gegen ihn: Frei von Vorurteilen kann er sich dem Mythos Leica annähern, dabei muss er aber schnell eine Sensibilität für das Produkt entwickeln. Er bespricht das Projekt mit Wolfgang Egger, Simona Falcinella, Carsten Monnerjan und Mark Shipard in seinem münchner Designbüro und lässt sich als allererstes ein einfaches Formmodell aus grauem harz bauen, das er stets mit sich trägt und womit er zu spielen beginnt. Weil die Grundkonstruktion nicht verändert werden soll, muss er mit dem Package, wie man in der Automobilindustrie die technische Grundlage eines Fahrzeugs bezeichnet, zurechtkommen. Form und Dimension der Leica m9 sind etwas ganz Eigenes: |
Nun liegt es an Walter de’Silva, Größe zu zeigen. Sich einer Marke hingeben zu können. Einerseits ihre Faszination zu erkennen, andererseits ihre Kraft zu dulden. Weder zuzulassen, dass Hochmut Markenwert zerstört, noch dass Demut kreativität vernichtet. Das zeichnet einen großen Designer heute aus. Die revolution im Konzept de’Silvas soll darin bestehen, dass es gar keine Revolution gibt. Alles soll so bleiben wie es ist, und trotzdem soll alles besser werden – nicht hübscher, sondern nach vier Prinzipien verbessert: ergonomischer, präziser, logischer, stringenter. Walter de’Silva legt zufrieden seinen gestalterischen Ansatz fest. Genau in diesem moment finden zwei Große zueinander. Walter de’Silva steht vor der Leica – und lächelt.
In etlichen Abstimmungsgesprächen mit Leica werden technische Details diskutiert. Auch der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, findet Zeit, um mit Walter de’Silva den Entwicklungsstand zu besprechen. Er weist auf wichtige Details der Konstruktion hin – wen wundert es, promovierte Martin Winterkorn doch am Max PlanckInstitut für Metallforschung und leitete später die technische Entwicklung von Audi und Volkswagen.
Dem unerfahrenen Betrachter könnte es nach dieser Parade von Möglichkeiten leicht schwindelig werden. Was ist nun besser? Im Automobildesign ist es üblich, nachdem man sich für eine gestalterische Strategie entschieden hat, diese in verschiedene Designlösungen zu deklinieren – mal bedachter, mal radikaler. Bevor man das endgültige Design verabschiedet, werden von einem und demselben Automobil, detailgetreu und im vollem ausmaß glänzend, mehrere Versuchsmodelle gebaut und intern evaluiert. Häufig sind es nur kleine Details, die den Unterschied ausmachen, viele davon können beliebig kombiniert werden, jedes erfordert eine wohl überlegte Entscheidung. Denn von der richtigen Wahl hängt die finale Qualität des Designs ab.
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Zum Jahresende 2009 erfolgt die Präsentation des Projekts gegenüber Leica.Nicht zufällig in Ingolstadt, der Heimat jener Marke des Volkswagenkonzerns, für die Walter de’Silva nach eigener Einschätzung sein – bisher – schönstes Automobil entworfen hat. Wie ein neues Automobil wird die Leica m9 titan bei Audi inszeniert: eine Ehre, die kaum einem anderen Fotoapparat jemals zuteil geworden sein dürfte. Der moment ist besonders wichtig: hier endet eine faszinierende Entdeckungsreise. Das Projekt geht in seine wichtigste und längste Phase.
Die Leica m9 hat ihren großen Charme auf den Designer ausgeübt, einmal wieder denkt er über die Prinzipien seines tuns nach: Ergonomie, Präzision, Logik, Stringenz. Einmal wieder wird ihm klar, dass eine Weiterentwicklung des Designs mehr als nur die Oberfläche ankratzen muss. Frei von einem ästhetischen Urteil gilt das Design der Leica m, sofern man für Leica diesen Begriff überhaupt anwenden kann, als perfekt. Wie kann de’Silva die Leica m9 noch perfekter machen? Nur indem es ihm gelingt, ihre Einfachheit zu maximieren und ihre Handhabung weiter zu verbessern. Bisher hat er die Konstruktion und die Ausstattung der Kamera nicht in Frage gestellt. Nun stellt er sich zu jedem Detail Fragen, und er fragt die Leica Ingenieure: Wozu ist was? Kann es auch anders gehen? Das sind die wichtigsten Fragen im Design, dieselben, die sich Oskar Barnack 1914 stellte. |
und dann, wie es zu Beginn einfach klick machte, passiert es noch einmal. De’Silva betrachtet noch einmal den roten Punkt: das eingravierte Leicalogo. Eine Ikone, die er mag. Denn als Automobilmensch liebt er es, seine Entwürfe, wenn sie vollendet sind, mit einem stillvollen Wappen zu schmücken. Wie der Duft einer Marke sein Inspirations-prinzip ist, so vervollständigt ein glänzendes Marken-zeichen seine Arbeit. Also fragt er sich, wieso das Wappen der Leica m9 nicht in eine Achse mit dem Objektiv gesetzt werden kann. Weil dort seit 1954 das Beleuchtungsfenster steht, lautet die Antwort. Damit nicht zufrieden, fragt er nach, ob man sich nach über 50 Jahren nicht eine andere Lösung vorstellen könnte.
Ein gewöhnlicher Ingenieur würde eine solche Designerfrage mit einem glatten nein beantworten: Es geht nicht. Nicht so die Konstrukteure bei Leica: Es ginge, lautet ihre Antwort, wenn man mit einer künstlichen Lichtquelle den Sucher beleuchten würde. Nach kurzer Erprobungszeit steht eine Lösung parat: Ein in die Deckkappe integrierter Mikroscheinwerfer aus Licht emittierenden Dioden macht das mittlere Fenster überflüssig und Platz für das Logo frei. Walter de’Silva gelingt eine wichtige Vereinfachung des Kameradesigns und die sichtbarste Designevolution seit Einführung der Leica m3. |
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